Rheinufer

Die Bedeutung des Rheinufers für LSBTIQ-Geflüchtete 

Während der Durchführung der Interviews im Rahmen unseres Forschungsprojektes haben wir mit queeren Personen mit Fluchterfahrung darüber gesprochen, welche Orte für sie in Mainz von Bedeutung sind, warum das so ist und teilweise auch darüber, ob und warum diese Orte queersensibel sind. Einer der Orte, welcher besonders häufig genannt wurde, war das Rheinufer, welches mit einer Länge von über 16 km an die fünf Stadtteile Mombach, Neustadt, Altstadt, Weisenau und Laubenheim grenzt. Das Ufer der Innenstadt liegt mit einer Länge von 4,5 km zwischen Kaiserbrücke und Südbrücke. Es wird in drei Abschnitte unterteilt. 

Das Adenauer-Ufer reicht vom Zollhafen in der Neustadt bis zum Fischtorplatz und bietet den Menschen verschiedenste Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Von verschiedensten Veranstaltungen, über Picknicks und Kinderspielplätze ist für jede Altersgruppe etwas dabei. Direkt daran schließt das Streseman-Ufer an, welches vom Fischtorplatz bis zum Fort Malakoff reicht. Mit Blick auf den Dom ist dieser Teil des Ufers besonders bekannt für seine Kunst. Entlang der Uferpromenade können hier Denkmäler, Ehrenmale, Skulpturen und vieles mehr bestaunt werden. Das daran anschließende Victor-Hugo-Ufer erstreckt sich von der Drehbrücke hinter der Malakoff-Passage bis zur Eisenbahnbrücke. Auch als „Mainzer Winterhafen“ bekannt, befindet sich hier neben dem Ruder-Verein und dem Kanu-Verein zudem das Bootshaus. 

Die Abschnitte werden zur Zeit nach und nach modernisiert. Die Bürger*innen der Stadt Mainz haben hier die Möglichkeit, eigene Ideen miteinzubringen und bei der Gestaltung des Rheinufers mitzuwirken. Entwürfe werden bei Versammlungen vorgestellt und besprochen. Im Sommer 2023 wurde die Sanierung und Umgestaltung des Adenauer-Ufers abgeschlossen. Kurz darauf fand die Besprechung des zweiten Bauabschnitts statt, in welcher es um die Neugestaltung des nächsten Uferabschnittes ging. 

Beim Rheinufer handelt es sich um einen öffentlichen Ort, welcher sowohl zu Fuß als auch mit Bus und Bahn gut erreichbar ist. Hier spielen weder Alter, Geschlecht noch die Sexualität eine Rolle. Es ist ein Ort der Vielfalt, welcher für alle Menschen frei zugänglich ist und einen Platz für jede*n bietet. 

Veranstaltungen am Rheinufer

In den Gesprächen wurde deutlich, dass besonders das Adenauer-Ufer sehr beliebt ist, weil es viele verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung bietet. Besonders in den wärmeren Monaten ist dort immer was los. Grund dafür sind unter anderem unterschiedlichste Veranstaltungen, welche die Menschen an diesem Ort zum gemeinsamen Singen, Tanzen und Feiern einladen.

Abbildung 1: Blick auf den Rhein vom Adenauer-Ufer (aufgenommen von J. Palm)

Von Anfang Mai bis Ende September verbringen die Menschen beispielsweise ihre Freizeit am Rheinstrand, welcher in diesem Zeitraum an der Promenade aufgebaut wird. Auch hier ist für jede*n was dabei. Während viele die gemütliche Atmosphäre nutzen, um sich zu entspannen, nutzen andere den Ort, um sich auf dem Beachvolleyballfeld sportlich zu betätigen. Auch für die Kleinsten ist durch einen aufgebauten Spielbereich gesorgt. An den Wochenenden finden verschiedenste Veranstaltungen statt. 

Die Mainzer Johannisnacht, welche jährlich rund um den Johannistag am 24. Juni stattfindet, lädt die Menschen dazu ein, gemeinsam den Erfinder des Buchdrucks, Johannes Gutenberg (geb. Gensfleisch), zu feiern. Erstmals wurde das Volksfest im Jahr 1968 zum 500. Todestag Johannes Gutenbergs veranstaltet. Während Teile davon in der Innenstadt aufgebaut sind, gibt es auch am Rheinufer einige Attraktionen, die begeistern. In diesem Zeitraum werden hier Kinderkarusselle, Fahrgeschäfte, Essens- und Getränkestände und vieles mehr aufgebaut. 

In den Gesprächen mit Personen der queeren Community wurden zudem die RheinSessions hervorgehoben. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltung des Kulturvereins EinKlang e.V., welcher sich als gemeinnützige Organisation für die Förderung von Kunst und Kultur einsetzt. Die Organisation stellt einen wichtigen Bestandteil der Mainzer Kultur- und Musikszene dar und bietet den Menschen mit Veranstaltungen, wie den RheinSessions, die Möglichkeit, gemeinsam zu feiern. Die Besonderheit liegt dabei in der Konzeptionierung der Veranstaltungen, indem beispielsweise sichere Räume geschaffen werden, um den Teilnehmenden eine besondere Sicherheit gewährleisten zu können. Wie bereits in vorherigen Abschnitten näher beschrieben, ist dies besonders für Personen der queeren Community wichtig. Die Veranstaltung wird an den Rheinwiesen in Mainz-Kastel angeboten. 

Emotionale Verbindung zum Rheinufer

Während einige das Rheinufer mit den zahlreichen Veranstaltungen in Verbindung bringen, gibt es weitere Gründe, weshalb es in den Interviews häufiger genannt wurde. Die Rheinpromenade wird gerne als Strecke für Spaziergänge genutzt. Das Tolle daran sei, dass diese Aktivität sowohl alleine als auch in Gruppen durchgeführt werden kann. Besonders geschätzt wird dabei die entspannende und beruhigende Atmosphäre, welche an diesem Ort herrscht. Zudem lasse sich ein solcher Spaziergang gut mit Aktivitäten in der Nähe des Ufers verbinden, wie beispielsweise einem Besuch des Landtags oder eines Museums. 

Bei solchen Spaziergängen werden Erinnerungen an Vergangenes geweckt. Eine Person, welche aus Istanbul kommt, berichtet beispielsweise davon, dass der Rhein an einen Fluss in Istanbul erinnere, welchen sie immer sehr schön fand. Die Person bezeichnet den Rhein als eine Art Verbindung zur „Heimat“ und denkt während des Spaziergangs gerne an die Zeit zurück, die sie an diesem Fluss verbracht hat. Diese Art der Verbindung nennt sie als Grund, warum sie so gerne Zeit am Rheinufer verbringt. Zudem sei dies der Ort in Mainz, an welchem sie sich am wohlsten fühle. Der Historiker Heinz Schilling bezeichnet dies als „Heimat als Begriff der Herkünftigkeit, als Ort und Hort der Erinnerungen.“. Viele Menschen nutzen die Heimat wie ein „räumliches Koordinatensystem“, um herauszufinden, woher sie kommen und wer sie sind. Somit ist der Heimatbegriff eng verknüpft mit der Identität eines Menschen. Die Person, welche den Rhein als eine Verbindung zur Heimat empfindet, weil er an einen Fluss in Istanbul erinnert, verwendet den Heimatbegriff hier wie Schilling. Sie verknüpft damit den Ort, in dem sie aufgewachsen ist und somit den Ort ihrer Herkunft. 

Auch die Theodor-Heuss-Brücke gilt als eine Besonderheit des Adenauer-Ufers. Mit einer Länge von 475m verbindet sie die beiden Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden und somit die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen miteinander. Errichtet wurde die Bogenbrücke von 1882-1885 und hat damit historisch viel zu bieten. In einem der Gespräche berichtete eine weitere Person von ihren Besuchen in Hessen. Da ein Teil ihrer Familie dort lebt, verbringe sie viel Zeit in dem angrenzenden Bundesland. Sobald sie auf dem Rückweg die Theodor-HeussBrücke überquere, spüre sie das Gefühl von „nach Hause kommen“ und ein gewisses Heimatgefühl. Diese Person empfindet Mainz als ihr „zu Hause“ und als eine Art Heimat. Für sie bedeutet Heimat also nicht zwingend der Ort, in dem sie geboren wurde und aufgewachsen ist. Heimat bedeutet für diese Person noch mehr: der Ort, an dem sie neu ankommen durfte. Indem sie neue Erfahrungen sammelt, kulturelle Praktiken neu kennenlernt, neue Kontakte aufbaut und damit weitere soziale Beziehungen, kommt es zu einem anderen Verständnis von Heimat. 

Abbildung 2: Theodor-Heuss-Brücke (aufgenommen von J. Palm)

Aus kulturanthropologischer Sicht wird der Heimatbegriff häufig als ein soziales Konstrukt betrachtet, welches durch kulturelle Praktiken, soziale Beziehungen und historische Entwicklungen geformt wird. Auch die Lebensgestaltung und bestimmte Bräuche können damit verbunden sein. Der Volkskundler und Soziologe Wilhelm Brepohl bezeichnete all das als eine gewisse Verbindung zur Heimat, jedoch nicht als die Heimat selbst. Diese sei nicht objektiv, sondern subjektiv an eine einzelne Person gebunden und somit ganz individuell zu verstehen. Heimat wird damit nicht nur als physischer Ort, sondern ebenfalls als symbolischer Raum verstanden, der durch Vorstellungen, Erinnerungen und Identitäten geprägt ist. 

Beispiele wie diese zeigen zudem, welche Bedeutung Mainz für Menschen mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund haben kann. Im Falle unserer Interviewpartner*innen handelte es sich um queere Geflüchtete, die in den meisten Fällen noch nicht lange in Mainz sind. Wenngleich zu Beginn vieles noch so fremd ist, kann sich ein Ort trotzdem zur „neuen“ oder „weiteren“ Heimat entwickeln. 

Verfasst von Julia Palm

 Rhine Riverbank (English Version)

During the interviews conducted as part of our research project, we spoke with queer individuals with refugee experience about the places in Mainz that are important to them. We wanted to understand why these places are significant, and in some cases, whether and why these places are queer-sensitive. One of the places that was mentioned particularly frequently was the Rhine Riverbank, which stretches over a length of more than 16 km bordering the five districts of Mombach, Neustadt, Altstadt, Weisenau, and Laubenheim. The downtown riverbank, with a length of 4.5 km between Kaiserbrücke and Südbrücke, is divided into three sections. 

The Adenauer-Ufer extends from the Zollhafen in Neustadt to the Fischtorplatz and offers people various leisure activities. From various events to picnics and children’s playgrounds, there is something for every age group. Directly adjacent is the Streseman-Ufer, which stretches from Fischtorplatz to Fort Malakoff. With a view of the cathedral, this part of the riverbank is particularly known for its art offer. Along the promenade, visitors can admire monuments, memorials, sculptures, and much more. The adjacent Victor Hugo-Ufer extends from the Drehbrücke behind the Malakoff-Passage to the Eisenbahnbrücke. Also known as the “Mainz Winter Harbor,” it is home to the rowing club and canoe club, as well as the boathouse. 

The sections are currently being gradually modernized. The citizens of Mainz have the opportunity to contribute their own ideas and participate in the design of the Rhine Riverbank. Designs are presented and discussed at meetings. In the summer of 2023, the renovation and redesign of the Adenauer-Ufer were completed. Shortly thereafter, the second phase of construction, involving the redesign of the next section of the riverbank, was discussed. 

The Rhine Riverbank is a public space that is easily accessible on foot, as well as by bus and train. Age, gender, and sexuality play no role here. It is a place of diversity that is freely accessible to all people and provides a space for everyone. 

Events on the Rhine Riverbank 

In the conversations, it became clear that the Adenauer-Ufer, in particular, is very popular because it offers many different leisure activities. Especially in the warmer months, there is always something happening there. Among other things, this is due to various events that invite people to sing, dance, and celebrate together at this location. For example, from early May to late September, people spend their leisure time at the Rheinstrand, which is set up along the promenade during this period. Here, too, there is something for everyone. While many people use the cozy atmosphere to relax, others use the area to be active on the beach volleyball court. There is also a designated play area for the little ones. Various events take place on weekends. 

The Mainzer Johannisnacht, which takes place annually around St. John's Day on June 24th, invites people to celebrate Johannes Gutenberg, the inventor of the printing press, together. The folk festival was first held in 1968 on the 500th anniversary of Johannes Gutenberg’s death. While parts of it are set up in the city center, there are also attractions on the Rhine Riverbank that are captivating. During this period, children’s carousels, amusement rides, food and drink stalls, and much more are set up. 

In conversations with members of the queer community, the RheinSessions were also highlighted. This is an event organized by the cultural association EinKlang e.V., which is a non-profit organization dedicated to promoting art and culture. The organization is an important part of the Mainz cultural and music scene and offers people the opportunity to celebrate together with events such as the RheinSessions. The special feature lies in the design of the events, for example, by creating safe spaces to ensure participants’safety. As described in previous sections, this is particularly important for members of the queer community. The event takes place on the Rheinwiesen in Mainz-Kastel. 

Emotional Connection to the Rhine Riverbank 

While some associate the Rhine Riverbank with the numerous events held there, there are other reasons why it was mentioned more frequently in the interviews. The Rhine promenade is often used as a route for walks. The great thing about it is that this activity can be done both alone and in groups. The relaxing and calming atmosphere that prevails at this location is particularly appreciated. Furthermore, such a walk can easily be combined with activities near the riverbank, such as visiting the state parliament or a museum. During these walks, memories of the past are triggered. For example, a person from Istanbul reports that the Rhine reminds them of a river in Istanbul that they always found very beautiful. The person refers to the Rhine as a kind of connection to ‘home’ and enjoys reminiscing about the time spent by this river during the walk. They cite this kind of connection as the reason why they enjoy spending time at the Rhine Riverbank. Additionally, this is the place in Mainz where they feel most comfortable. Historian Heinz Schilling refers to this as “home as a concept of origin, as a place and repository of memories.” Many people use home as a “spatial coordinate system” to figure out where they come from and who they are. Thus, the concept of home is closely linked to a person's identity. The person who feels the Rhine is a connection to home because it reminds them of a river in Istanbul uses the concept of home here as Schilling does. They associate it with the place where they grew up, thus the place of their origin. 

The Theodor Heuss Bridge is also considered a special feature of the Adenauer-Ufer. With a length of 475 meters, it connects the two state capitals of Mainz and Wiesbaden, and thus the states of Rhineland-Palatinate and Hesse. The arch bridge was built from 1882-1885 and thus has historical significance. In a conversation, another person talked about their visits to Hesse. Since part of their family lives there, they spend a lot of time in the neighboring state. As soon as they cross the Theodor Heuss Bridge on their way back, they feel the sense of ‘coming home’. This person regards Mainz as their home. For them, home does not necessarily mean the place where they were born and raised. Home means more to this person: the place where they were able to start anew. In this view, home means gaining new experiences, learning about new cultural practices, building new contacts, and thus establishing further social relationships. 

From a cultural anthropological perspective, the concept of home is often seen as a social construct shaped by cultural practices, social relationships, and historical developments. Lifestyle and certain customs can also be associated with it. Folklorist and sociologist Wilhelm Brepohl referred to all of this as a certain connection to home, but not as home itself. This is not objective but subjectively tied to an individual person and thus understood in a highly individual way. Home is thus understood not only as a physical place but also as a symbolic space shaped by ideas, memories, and identities. 

Examples like these also show the significance Mainz can have for people with refugee experience or a migration background. In the case of our interviewees, they were queer refugees who, in most cases, have not been in Mainz for long. Although much may still seem unfamiliar at the beginning, a place can still develop into a new or an additional home. 

Written by Julia Palm 

Das Rheinufer und andere Orte im Freien – Bedeutung für den FC Ente Bagdad

Text von Fabian Meyer

Auch der Rhein stellt einen wichtigen Bezugspunkt für die Mitglieder der Enten-Familie dar. Das Mainzer Rheinufer unterteilt sich in drei Uferabschnitte: Das Adenauer-Ufer, das in der Neustadt beginnt und bis zum Fischtorplatz reicht, das Stresemann-Ufer, das am Fort Malakoff endet und schließlich das Victor-Hugo-Ufer, das bis zur Eisenbahnbrücke reicht.

Iwan1, der 2022 aus der ukrainischen Stadt Dnipro nach Mainz kam, nennt das Rheinufer im Gespräch als einen seiner liebsten Orte. Er arbeitete in der Ukraine als Chirurg, ehe er diesen Beruf aufgrund einer Augenerkrankung nicht länger ausüben konnte. Nur seine Arbeitsunfähigkeit ermöglichte es ihm, im Frühjahr 2022 kurz nach Beginn des russischen Angriffsskrieges aus der Ukraine auszureisen. Am Rheinufer kommen ihm Assoziationen und Erinnerungen zu seiner Heimatstadt Dnipro, denn auch durch diese läuft ein Fluss, weshalb ihn die Uferpromenade in Mainz an sein verlorenes Zuhause erinnert.

Ähnlich verhält es sich bei Anna, einer Grundschullehrerin aus der Ukraine, die sich seit ihrer Ankunft in Mainz in einer Sprachschule für Ukrainer*innen engagiert und deren Sohn beim FC Ente Bagdad das Jugendtraining besucht. Anna stammt aus der ukrainischen Stadt Cherson und in ihr kommen, genau wie bei Iwan, bei ausgedehnten Rheinspaziergängen Assoziationen an die eigene Heimatstadt auf. So sagt sie:

„Ansonsten mag ich es, am Rhein spazieren zu gehen. Weil Cherson, die Stadt, in der ich geboren wurde, befindet sich auch an einem Fluss. Das ist meine Sehnsucht, einen Platz zu finden, der mich an meine Heimat erinnert, wo es ähnlich aussieht wie bei mir in der Heimat. Nachdem da die Brücke explodiert ist und nachdem man uns dort geflutet hat, die ganze Ortschaft, ist es [der Rhein], der mich an meine Heimat erinnert.“

Für die relativ neuen Mitglieder der Enten-Familie wirkt es daher wichtig und tröstlich, Orte zu finden und zu besuchen, in denen sich die eigenen Erfahrungswelten aus der Ukraine spiegeln und wiederfinden lassen.
Betont werden jedoch ebenso die vielen kinderfreundlichen Spielplätze in Rheinnähe und die Sprachschule in der Malakoff-Passage, die Anna besucht. Aber auch andere Orte im Freien werden mehrfach genannt, wie beispielsweise im Gespräch mit Iwan: „Am Anfang waren es Weinreben in Hechtsheim, Weisenau, Laubenheim. Das waren meine Lieblingsplätze, da wo Weintrauben waren. Das sind Plätze, wo man wunderbar spazieren gehen konnte.“

Die Mitglieder des FC Ente Bagdad entdecken Mainz demnach gerne auf eigene Faust; es gibt allerdings auch häufig Aktivitäten, die die Enten-Familie gemeinsam im Freien bestreitet, um so Neues zu entdecken. Alina, die Leiterin des Ukraine-Projektes des Vereins, das neu in Mainz angekommenen Menschen eine wichtige Anlaufstelle bietet, sagt dazu: „Es gibt Sachen, die nichts kosten, aber tolle Sachen. [Wir] haben beispielsweise dann einfach eine Wanderung gemacht auf den höchsten Platz auf dem Lerchenberg.“ Darüber hinaus betont Alina, dass solche gemeinsamen Wanderungen und Spaziergänge bei den Vereinsmitgliedern auf großen Anklang stoßen: „[...] Einige waren begeistert. Wir haben einfach eine Gruppe genommen. Wir machen Sachen, die nichts kosten, die aber herrlich ankommen.“

Bewegung im Freien und in der Natur, alleine oder in der Gemeinschaft der Enten-Familie, spielt somit eine große Rolle und bildet einen Kontrast zu der mitunter als fremd und hektisch empfundenen Realität der Stadt. Neben dem grünen Kunstrasen der Enten-Arena gibt es also noch eine Reihe an weiteren Orten, an denen die Mitglieder des FC Ente Bagdad anzutreffen sind, um dort ihre Freizeit zu verbringen.

Umfragen, die im Zuge der Mainzer Stadtentwicklung seit 1990 durchgeführt wurden, zeigen, dass nur wenige vergleichbare Städte eine so tiefe Verbundenheit und Zufriedenheit ihrer Bürger*innen verzeichnen können. Diese Zufriedenheit spiegelt sich auch in den Gesprächen mit den migrantischen Mitgliedern des FC Ente Bagdad wider, die allesamt betonen, gerne in Mainz zu leben. So sagt Basayef, der 2016 aus Syrien nach Deutschland kam und heute eine der Jugendmannschaften der Enten trainiert: „[Ich] fühle mich sehr wohl in Mainz vor allem und in Deutschland. Auch die Kultur hier in Mainz. [...] Tolle Menschen, die wirklich jeden so akzeptieren, so wie er ist.“ Und Anastasia, eine Ukrainerin, deren Sohn ebenfalls das Jugendtraining besucht, konstatiert: „Ja genau, in Mainz sehr freundliche Menschen: alle lä- cheln, alle sagen guten Tag, hallo, guten Morgen. Ich weiß nicht, woher, aber jeder zu jedem: “Hallo, hallo!”

1 Die Namen der ukrainischen Interviewteilnehmer:innen wurden anonymisiert.

English Version

The Rhine Riverbank (and other outdoor locations)

Written by Fabian Meyer

The Rhine is an important point of reference for members of the Duck family. The Mainz Rhine riverbank is divided into three sections: the Adenauer-Ufer, starting in the Neustadt and extending to Fischtorplatz; the Stresemann-Ufer, ending at Fort Malakoff; and finally, the Victor Hugo-Ufer, extending to the railway bridge.

Ivan, who arrived in Mainz in 2022 from the Ukrainian city of Dnipro, mentions the Rhine riverbank as one of his favorite places in conversation. He worked as a surgeon in Ukraine before he had to leave his profession due to an eye condition. His inability to work allowed him to leave Ukraine shortly after the start of the Russian war of aggression in spring 2022. The Rhine riverbank evokes associations and memories of his hometown of Dnipro for him, as a river also flows through it, which is why the promenade in Mainz reminds him of his lost home.

Similarly, Anna, a primary school teacher from Ukraine, has been involved in a language school for Ukrainians since her arrival in Mainz, and her son attends youth training at FC Duck Baghdad. Anna comes from the Ukrainian city of Kherson, and like Ivan, extended walks along the Rhine remind her of her hometown. She says:

“Otherwise, I like to take walks along the Rhine. Because Kherson, the city where I was born, is also located on a river. It’s my longing to find a place that reminds me of my homeland, where it looks similar to home. After the bridge there exploded and after they flooded us there, the whole village, it’s [the Rhine] that reminds me of my homeland.”

For relatively new members of the Duck family, it is therefore important and comforting to find and visit places where their own experiences from Ukraine are reflected and can be rediscovered.

Emphasis is also placed on the many child-friendly playgrounds near the Rhine and the language school in the Malakoff-Passage that Anna attends. But other outdoor locations are also mentioned multiple times, such as in conversation with Ivan:

“At first, it was vineyards in Hechtsheim, Weisenau, Laubenheim. Those were my favorite places, where there were grapes. These are places where you could go for wonderful walks.”

The members of FC Duck Baghdad enjoy exploring Mainz on their own. There are also frequent activities that the Duck family engages in together outdoors to discover new things. Alina, the leader of the club’s Ukraine project (which provides newly arrived people in Mainz with an important point of contact) says: “There are things that don’t cost anything, but are great. For example, we just went on a hike to the highest point on Lerchenberg.” Furthermore, Alina emphasizes that such joint hikes and walks are very popular among the club members: “[...] Some were excited. We just took a group. We do things that don’t cost anything but are wonderfully received.”

Outdoor physical activity and being in nature, alone or in the community of the Duck family, therefore play a significant role and contrast with the sometimes perceived foreign and hectic reality of the city. Besides the green artificial turf of the Duck Arena, there are also a number of other places where members of FC Duck Baghdad can be found, spending their leisure time there.

Surveys conducted as part of the Mainz urban development since 1990 show that only a few comparable cities can boast such deep attachment and satisfaction among their residents. This satisfaction is also reflected in conversations with the migrant members of FC Duck Baghdad, all of whom emphasize enjoying living in Mainz. Basayef, who came to Germany from Syria in 2016 and now coaches one of the youth teams at Duck, says: “[I] feel very comfortable in Mainz, especially and in Germany. Also, the culture here in Mainz. [...] Great people who really accept everyone as they are.” And Anastasia, a Ukrainian whose son also attends youth training, observes:

“Yes, in Mainz, people are very friendly: everyone smiles, everyone says hello, good morning. I don’t know why, but everyone to everyone: ‘Hello, hello!’”